Das sind die wichtigsten Treasury-Technologie-Anbieter 2026
Die Auswahl eines Treasury-Systems will gut überlegt sein. Manch ein Treasurer bereut seine Wahl, wie die aktuelle Umfrage von DerTreasurer zeigt.
Treasury ist Technologie. Zumindest zu einem großen Teil – und dieser Anteil dürfte weiterwachsen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund rasanter Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und Themen wie Stablecoins. Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass Treasury Management Systeme (TMS) heute zum Standardrepertoire vieler Unternehmen gehören.
Eine aktuelle Umfrage von DerTreasurer („Treasurer-Panel“) unter rund 150 Treasurern bestätigt dieses Bild: Knapp 80 Prozent der Befragten setzen bereits ein TMS ein, rund 20 Prozent hingegen noch nicht. Ein entscheidender Einflussfaktor ist dabei die Unternehmensgröße. Bei Unternehmen mit einem Umsatz von 1 Milliarde Euro oder mehr nutzen fast 90 Prozent ein TMS. In der Gruppe unterhalb dieser Schwelle sind es lediglich 56 Prozent. Oder anders formuliert: Je größer das Treasury, desto höher der Grad an Professionalisierung – und Technisierung.
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Welcher TMS-Anbieter ist Marktführer?
Die naheliegende Frage lautet: Welche Systeme werden in deutschen Treasury-Abteilungen bevorzugt eingesetzt? Auch hierzu liefert die Umfrage klare Ergebnisse. An der Spitze liegt mit deutlichem Abstand Coupa (ehemals Tm5 von Bellin). Ein wesentlicher Grund für diese Dominanz dürfte sein, dass es dem Anbieter aus Ettenheim gelungen ist, nicht nur Großkonzerne, sondern auch Unternehmen unterhalb der Milliarden-Umsatzgrenze erfolgreich anzusprechen. Gleichwohl liegt auch bei Coupa der Schwerpunkt klar bei den größeren Organisationen.
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Technologie im Treasury
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Mit etwas Abstand folgt die Ion Group. Bemerkenswert ist hier die Vielfalt der angebotenen Lösungen – ein Ergebnis der stark akquisitionsgetriebenen Wachstumsstrategie. Besonders präsent ist ITS, lange Zeit einer der schärfsten Wettbewerber von Bellin und bis heute im gehobenen Mittelstand stark vertreten. Mit der Wallstreet Suite adressiert Ion hingegen das obere Marktsegment und zählt Dax-Konzerne wie Mercedes-Benz oder Henkel zu seinen Kunden.
SAP gilt als kostenintensiv
Deutlich an Boden gewonnen hat in den vergangenen Jahren SAP. Die Walldorfer haben ihr Treasury-Modul unter SAP S/4 Hana konsequent weiterentwickelt und profitieren vom Trend zu integrierten, einheitlichen Prozesslandschaften. Gleichzeitig gilt SAP nach wie vor als kostenintensiv – sowohl in der Lizenzierung als auch in der Implementierung. Hinzu kommen begrenzte Beratungskapazitäten und begrenzte Möglichkeiten, das Treasury-Modul individuell zuzuschneiden. All das sind Faktoren, die das Wachstum bremsen, ohne den grundsätzlichen Reiz des integrierten Ansatzes zu schmälern.
Klar im oberen Marktsegment positioniert ist FIS. Der Anbieter bedient größere Konzerne und bietet mit Quantum und Integrity die früheren Sungard-Lösungen an. Für viele Treasury-Abteilungen im Konzern umfeld oder im gehobenen Mittelstand ist FIS damit eine etablierte, wenn auch spezialisierte Option.
Die nächsten Ränge teilen sich mehrere Anbieter mit durchaus unterschiedlichen Profilen – und einer Gemeinsamkeit: Sie stammen aus dem hohen Norden. Technosis aus Hamburg positioniert sich mit einem klassischen TMS, das insbesondere im Risikomanagement überzeugt. Serrala (ehemals Hanse Orga) aus Norderstedt verfolgt einen breiteren Ansatz und bündelt unter dem Label „Finance Platform“ Lösungen von Payments über Order-to-Cash bis hin zu Treasury-Funktionalitäten – teils als SAP-Add-on, teils ERP-unabhängig.
Gibt es neue Herausforderer am TMS-Markt?
Zu den neueren Herausforderern zählt Nomentia, hervorgegangen aus dem Zusammenschluss des ehemaligen SLG-Spin-offs Tipco sowie den finnischen Unternehmen Opus Capita und Analyste. Auch wenn der Name neu ist, handelt es sich keineswegs um einen Newcomer – das Unternehmen befindet sich jedoch noch in der Phase der Neupositionierung.
Mit Kyriba versucht zudem ein internationaler Anbieter, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen, den er lange Zeit eher gemieden hat – aus Respekt vor der hohen Wettbewerbsintensität. Mit dem Gewinn des Continental-Spin-offs Aumovio als Kunde ist Kyriba jüngst ein Achtungserfolg gelungen. Nun wird sich zeigen, ob weitere Referenzen folgen.
Daneben tummelt sich eine ganze Reihe weiterer Anbieter im Markt: TIS aus Walldorf, spezialisiert auf Zahlungsverkehr, sowie Trinity, Cops, Enventa (ehemals Litreca) oder Omikron wurden ebenfalls genannt. Für Treasurer bedeutet das vor allem eines: Auswahl gibt es genug; die richtige Entscheidung wird dadurch allerdings nicht einfacher.
Welche Unternehmen setzen ein TMS ein?
Interessant ist der Blick auf jene Unternehmen, die bislang noch kein TMS einsetzen. Rund jeder dritte Befragte (31 Prozent) plant innerhalb der nächsten zwölf Monate eine Einführung – sowohl im Segment unterhalb als auch oberhalb der Umsatzmilliarde. Auffällig ist jedoch: Während sich die Lücke bei größeren Unternehmen weiter schließt, bleibt ein erheblicher Teil der kleineren Organisationen auch künftig ohne TMS. Die geplanten Wechsel gehen dabei vor allem zu Nomentia, Litreca und FIS. Marktführer wie Coupa, Ion oder SAP wurden in diesem Zusammenhang nicht genannt – ein bemerkenswertes Signal.
Besonders aufschlussreich sind die Freitextantworten der Umfrage. Sie zeichnen das Bild eines Marktes im Umbruch – und nicht unbedingt zum Vorteil der Anwender. Konsolidierung, steigende Preise und eine spürbar nachlassende Servicequalität prägen die Wahrnehmung vieler Treasurer. Nach Übernahmen berichten Kunden von Performance-Problemen, unflexibleren Preisverhandlungen und deutlich längeren Reaktionszeiten im Support.
Funktional gleichen sich viele TMS-Lösungen zunehmend. Cloud-basiert, modular aufgebaut, technisch solide – die Unterschiede liegen oft weniger im Produkt als im Drumherum. Der eigentliche Differenzierungsfaktor ist heute die Qualität der Betreuung und die pragmatische Unterstützung im laufenden Betrieb. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach hochstandardisierten Lösungen mit mini-malem Customizing, hoher Automatisierung und vollständiger Datenintegration. Insofern verwundert es, dass gerade das Alleinstellungsmerkmal Service nachlässt.
Was ist bei der Auswahl des TMS-Anbieters zu beachten?
Die Auswahl eines Treasury-Management-Systems ist damit komplexer und strategischer denn je. Tiefe Systemintegration, regulatorische Anforderungen und geopolitische Rahmenbedingungen erhöhen die Wechselhürden erheblich. Wer sich heute entscheidet, bindet sich langfristig – technisch wie organisatorisch.
Eine sorgfältige Anbieterauswahl jenseits wohlklingender Marketingversprechen wird damit zur zentralen Voraussetzung für eine zukunftsfähige Treasury-IT-Architektur. „Sales sollte ehrlicher an Requests for Proposals herangehen, um in Workshops einen fundierten Austausch zuzulassen, und die Erwartungen nicht enttäuschen“, kritisiert ein Befragter in diesem Zusammenhang. Ein anderer klagt gar: „Leider ein Fehlgriff.“ Wenn eine Entscheidung für ein System gefallen ist, lässt sich diese in aller Regel nicht einfach revidieren. Oder zugespitzt formuliert: Ein Treasury Management System wechselt man nicht mal eben – und sollte es deshalb gleich richtig machen.
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